Über sich selbst hinauswachsen

Es ist die Zeit der Sonnenblumen. Auf dem Weg raus aus der Stadt führen die Straßen streckenweise entlang weiter blühender Felder. Eine Sonnenblume wächst in der Regel ein bis zwei Meter in die Höhe, manchmal auch noch etwas mehr. Sehe ich Sonnenblumen auf dem Feld, ist mir diese Größe nicht bewusst. Im Vorbeifahren nehme ich vor allem ein Meer an strahlendem Gelb wahr.

Im Frühjahr schenkte uns unser Nachbar ein paar Petunien für unsere Blumenkästen. Wir pflanzten sie ein und säten noch ein paar Blumensamen rechts und links daneben aus. Es dauert immer einige Zeit, doch dann reckt sich plötzlich das erste Grün in die Höhe. Noch etwas später fingen wir in diesem Jahr allerdings an, uns zu wundern. Da wuchs etwas, was wir nicht zuordnen konnten. Und immer weiter und immer höher. Irgendwann fragte ich unseren Nachbarn, ob er uns irgendein verbotenes Gewächs untergejubelt habe. Es stellte sich heraus, dass die Petunien unter dem Vogelhäuschen standen und möglicherweise ein Sonnenblumenkern dazwischen gefallen sein könnte.

blühende SonnenblumeInzwischen haben wir den Beweis. In unserem schmalen Blumenkasten gedieh eine prachtvolle Sonnenblume heran. Sie ist circa zwei Meter hoch gewachsen und in voller Blüte.

Eine Blume auf dem Feld zwischen vielen anderen, die zwei Meter groß wird, ist eine Sache. Eine andere ist es, wenn aus einem verirrten, kleinen Kern eine einzelne Pflanze in gewissermaßen feindlicher, da sehr räumlich begrenzter, Umgebung so hoch hinaus wächst. Ich finde das wunderbar. Ich freue mich jeden Tag an dieser tapferen Blume, die Wind und Wetter trotzt. Sie wächst, wie sie wachsen muss und selbst in diesem Umfeld weit über sich hinaus.